Coconami – Live Review (Theatron, 17.09.2009)
Endlich live gesehen: Coconame, das Ukulelen-Duo aus München. Das ganze fand im Theatron statt, einer Open-Air-Location im Münchner Olympiapark, welche sogar ins “Guinness Buch der Rekorde” eingetragen wurde, da es das längste Festival der Welt ist, und 21 Tage andauert. Ist aber kein Wunder, wenn man jeden Tag nur zwei Bands spielen lässt. Gelegen ist es vor einer Steintribüne und hinter einem See:

Coconame fingen heute peinlichst genau um 19 Uhr an, wie auch auf der Website stand. Eigentlich wollte ich ein Album kaufen, da mir die MySpace-Tracks sehr gefallen haben. Doch nach circa 30 Minuten war klar: “Scheiss auf das Album, lass uns Bier holen!”. Ernsthaft, die vorgeführten Tracks waren wohl nochmals seichter und langweiliger als alles auf der MySpace-Website. Sie haben sogar einen urbayrischen Liedermacher in bayrischen Klamotten und Rauschebart auf der Bühne, der ein bisschen verwirrt daher kam und nicht so richtig wusste was er nun auf der Bühne machen sollte, der zu zwei Liedern seine Lyriken beisteuerte. Und damit meinte ich kein “lustige” bayrische Liedermacher mit Humor, sondern ein stramm stehender Großvater, der “über Leben und Tot” sang.
Tobis (claw) Business Kollege vor Ort meinte nicht umsonst, dass sich die Songs eher wie Kinderlieder anhören, denn vor der Bühne versammelten sich im Laufe des Abend 3 Kinder zwischen 1 – 4 Jahre. Und die hatten ihren Spaß.
Die Galle kam mir erst ein bisschen hoch, als sie ein total schnulziges und ernstgemeintes Liebeslied an München zum Besten gaben und die Masse deswegen sogar noch am meisten applaudierte. Mit Auszügen wie “als sich über Bayern der Himmel senkt, seh ich sie, die Königin der Städte” und weiteren, die ich schon in meinem Gehirn verdrängt habe, weiß ich nun wie sich nordkoreanische Propagandamusik anhören muss, wenn man die Sprache kann.
Es waren auch drei, vier Punkrocker im Publikum, die eigentlich auf das “Sheena is a Punkrocker”-Cover freuten. Doch es kam “nur” ein Cover von “Blitzkrieg Bob”. Das war zwar okay. Aber das Fazit hieß: Durchgefallen!!
Ich weiß zwar nicht wieso, aber es kam bei mir so an, als würden Coconame gerne Punkrock-Songs covern, weil sie ein Fabel dafür haben. Gleiches schreibt auch die Süddeutsche und viele andere Medien. Nur wieso schreiben sie es? Hört es sich besser oder “cooler” an, wenn man ausschließlich dick heraushebt, dass sie Punkrock-Songs spielen? Schreiben die Medien nur voneinander ab? Oder stand das so in einer Pressemappe?
Fakt ist: Mit der Realität hat das nicht viel zu tun. Neben den paar selbstkomponierten (guten!) Songs auf der MySpace-Seite gibts nur noch langweilige Songs ohne melodisches Grundkonzept. Daneben die bayrischen Liedmachter-Features, um die “Fans” des bayrischen Pseudopatriotismus zu beliefern, und ein einziger Punkrock-Song um den Medien und dem Publikum die Illusion zu geben, auch über das musikalische Spektrum, was für Ukulelen geeignet ist, zu schauen. Leidenschaft über das Genre oder musikalische Höchstleistungen mit der Ukulele durch eigene Kompositionen fehlen mir aber vollkommen. Reinfall.



