Taegukgi Hwinalrimyeo

Taegukgi.
Hwinalrimyeo

Lee Jin-Seok (Won Bin) und Lee Jin-Tae (Jang Dong-Gun) sind zwei Brüder der unteren Mittelschicht im Seoul der 50′er Jahre. Zwar könnte das Leben besser sein, aber sie haben zu essen, Kleidung und eine liebevolle Familie. Lee Jin-Seok geht studieren und Lee Jin-Tae versucht sich als Schuhpolierer auf der Straße. Ein paar Tage, bevor er seine Young-Shin (Lee Eun-Joo) heiraten will, bricht Krieg aus. Die Nordkoreaner greifen Südkorea an. Die Familie will flüchten. Auf einem Bahnhof in der Stadt geht es jedoch nicht weiter, da alle Züge an die Front fahren. Als die Armee auftaucht soll der jüngere der beiden Brüder, Lee Jin-Seok eingezogen werden. Sein Bruder versucht das zu verhindern und gerät nur selbst in die Armee. Zu zweit versuchen sie heil aus allem heraus zu kommen.


Taegukgi war damals mit einem Budget von lächerlichen 12,8 Millionen USD Koreas teuerster Film. Als Vergleich: Saving Private Ryan steckte wahrscheinlich den gleichen Betrag nur in die Werbung. Überhaupt muss Saving Private Ryan genannt werden, da Taegukgi sich recht nah am amerikanischen Original orientiert. Einziger Vorteil ist der Patriotismus in Taegukgi, der zwar auch vorhanden, aber bei den Koreanern viel seichter ausfällt. Sicher gibt es hier und da koreanische Fahnen, Musik mit ganz viel Pathos aber im Gegenzug auch Szenen, in denen südkoreanische Soldaten voller Hass Nordkoreaner abmetzeln und man sich unweigerlich fragen muss, wer hier gut und wer hier böse ist. Keiner von beiden nämlich und das kommt immerhin relativ gut rüber im Film. Somit kann man auch den Pathos verzeihen, der sich hier viel mehr auf die Tragik der Beziehung der zwei Brüder richtet und nicht etwa irgendwelche Helden oder Nationalitäten hervorheben will. Während der jüngere Bruder einfach nur nach Hause will und den Schrecken des Krieges nur schwer verdauen kann, will der ältere… auch, das der jüngere nach Hause kann. Allerdings greift dieser zu anderen Mitteln. Mit seinen Vorgesetzten handelt er aus, das sein jüngerer Bruder nach Hause kann, wenn er besonders viele Kommunisten tötet und random waghalsige Missionen meistert. So mutiert er irgendwann zu einer Tötungsmaschine und schießt random Kommunisten ab, während hinter seinem Bruder Granaten explodieren.


Überhaupt geht’s zwischendrin einfach nur noch ab. Die Schießereien sind mindestens genauso gut in Szene gesetzt, wie bei Saving Private Ryan. Der Sound ist ziemlich dick und knackig und die Goreeffekte wurden nur da eingesetzt, wo es truly nötig war. Und das dafür dann erstklassig. Weggesprengte Beine, Kopfschüsse, Brustschüsse, offene Bäuche. Lauter feine Sachen! Zum dicken Sound gesellt sich dann letztlich auch eine wundervolle Cinematografie mit satten Farben, tollen Kameraeinstellungen, viel Tiefenunschärfe und… viel Gewackel. Während der Kämpfe fällt es einem teilweise schwer den Überblick zu behalten, aber genau das gefiel mir auch. Wenn man als Soldat in einem Schützengraben liegt, über einen die Kollegen stolpern, in den Kopf geschossen bekommen und hinter und vor einem Granaten explodieren und Dreck herumfliegt, dann checkt man als Soldat auch nicht mehr viel. So gesehen versetzt es den Zuschauer viel mehr in die Lage der Soldaten und imho ist das Gewackel noch erträglich. Weder Kopfschmerzen noch große Orientierungsprobleme suchen einen heim und man kann sich voll und ganz auf die dicke Action konzentrieren.

Mit über 145 Minuten Laufzeit ist Taegukgi ein wahres Epos und schrammt somit für den ein oder anderen nur knapp an der Schwelle zur Langeweile vorbei. Manch einer mag von der Beziehung der Brüder gelangweilt sein und nur auf die nächste Schießerei warten, aber wer sich auf die zwei Brüder einlässt, der kann sich den Film sogar ein zweites oder gar drittes Mal anschauen und die Zeit wird wie im Fluge vergehen. Auch wenn der Teil auf der zweiten DVD etwas an Qualität verliert. Alles in allem also ein Anti-Kriegsfilm, der eigentlich eher Familiendrama ist und nur zufällig in den Wirren des Koreakrieges spielt. Mit Politik wird man Gottseidank zum größten Teil in Ruhe gelassen.

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