Postman Blues

Postman Blues
(posutoman burusu | japan 1997 | sabu | dvd: asian film network)

Ryuichi Sawaki (Shinichi Tsutsumi) ist ein einfacher Postbote. Freunde hat er eigentlich nicht, und seinen Job kann er auch nicht leiden. Daher freut er sich, als er eines Tages auf seinen alten Kumpel Noguchi (Keisuke Horibe) trifft – der inzwischen den Yakuza angehört und sich den kleinen Finger abgehackt hat. Der landet ohne Sawakis Wissen zufällig in seiner Postbotentasche. Durch das Zusammentreffen der Beiden gerät allerdings Sawaki nun ins Fadenkreuz der Polizei. Als dann auch noch der depressive Auftragskiller Joe (Ren Osugi) auf den Plan tritt, halten die Behörden Sawaki endgültig für einen Terroristen und Serienkiller. Dabei will er doch eigentlich nur ein letztes Mal das krebskranke Mädchen treffen, das er kurz zuvor kennenlernte…

Postman Blues gehört zu den eher unbekannteren Filmen Sabus. 1997 gedreht vermengt er aber bereits wie in seinen späteren Werken wie selbstverständlich Actionkomödie, Romanze, Drama und Satire zu jenem unnachahmlichen Cocktail, der in Monday seinen bizarren Höhepunkt finden sollte. Postman Blues ist aber nicht ganz so abgedreht, konzentriert sich eher auf seine Charaktere und menschliche Konflikte und lockert diese mit komischen Momenten auf.

Sabus ganz große Stärke ist diese einzigartige Wärme, die er in seinen Geschichten und Charakteren transportiert. Er führt durch Groteske zu einer gewissen Menschlichkeit und schafft es, mit nur wenigen Szenen große Sympathieträger aufzubauen, die dem Zuschauer sofort ans Herz wachsen. Vor allem Joe und die Leistung von Ren Osugi ist wirklich großartig – er bedient zwar an der Oberfläche das Klischee vom kühlen und einsamen Killer, der gar nicht killen will, blüht jedoch in der Interaktion mit Sawaki zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit auf. Nichtmal die Yakuza, die Noguchi an den Kragen wollen, weil er den Finger nicht mehr findet, haben ihren Antagonistenstatus verdient, sondern sind nur Riesenbabies, die scheinbar den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als herumzusitzen und alberne Witze zu reißen. Postman Blues ist voll von Menschen, die gerne wieder Kinder sein würden und eigentlich nichts verbrochen haben. So bleibt als Feinbild mal wieder die Polizei, die aus den Handlungen Sawakis voreilige Schlüsse zieht und am Ende für ein tragisches und grandioses Finale verantwortlich ist.

Der Balanceakt zwischen Drama und Klamauk gelingt Sabu also schon anno 1997 vortrefflich. Dazu kommen interessante Bildkompositionen und tolle Musik zwischen Funk und melancholischen Streicherstücken – je nach Bedarf. Viel mehr bleibt auch nicht zu sagen, denn Postman Blues ist mehr als die Summe seiner Teile; charmant, herzlich und witzig.

Als einziger Vorwurf, den man Sabu 10 Jahre später machen könnte, bliebe die Tatsache, dass er sich – wie wir später an Monday und Drive sehen werden – relativ häufig selbst zitiert (was nicht zuletzt an Stammschauspieler Shinichi Tsutsumi liegt). Davon lasse ich zu diesem Zeitpunkt einmal ab und betrachte den vorliegenden Film völlig isoliert. Und er gehört definitiv zu den besseren japanischen Filmen, die ich bisher gesehen habe.

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Alone

A L O N E
แฝด
Thailand 2007 | Regie: Banjong Pisanthanakun, Parkpoom Wongpoom

Pim (xD das deutsch-thailändische (?) Popsternchen Masha Wattanapanich) lebt zusammen mit ihrem Ehemann Wee (xD Vittaya Wasukraipaisan) in Südkorea. Ihr Leben verläuft seit dem Verlassen Thailands eher ruhig und ohne Zwischenfälle. Bis sie eines Tages einen Anruf aus Thailand bekommt und zurück muss. Ihre Mutter liegt nach einem Herzinfarkt im Sterben. Kaum in Thailand angekommen beschleicht sie ein ungutes Gefühl. Vor 10 Jahren noch hatte sie eine Schwester namens Ploy. Sie waren siamesische Zwillinge und Ploy starb bei dem Versuch beide zu trennen. Nur Pim überlebte und sieht nun Geister. Ihre Schwester etwa?

Das es so schnell gehen würde, hätte ich nicht gedacht. Vor geraumer Zeit stellte Penance die Frage in den Raum, wie man am besten Reviews schreibt. Dabei ging es unter anderem auch darum, was man nun am besten in’s Review mit rein packt. Ich dachte anfangs noch, das mich dieses Schicksal ohnehin nicht so schnell ereilen wird, aber tjo. Heute soll es soweit sein. Denn wie schreibe ich ein Review zu Alone? Schreibe ich zu wenig vom Inhalt, klingt es wie ein lamer Film. Schreibe ich zu viel ist es nicht mehr überraschend. Was tun? Ihr müsst mir also echt vertrauen, wenn ich sage, das Alone ziemlich geil ist.

Obwohl der Film ruhig anfängt, kommt er ziemlich schnell zur Sache. Pim muss wieder zurück nach Thailand, weil ihre Mutter im Krankenhaus liegt. Und zurück nach Thailand will Pim eigentlich eher ungern. Denn sie weiß ganz genau, was sie erwartet. Vor 10 Jahren starb Ihre Schwester beim Versuch beide zu trennen und in Südkore konnte Pim immerhin vor der Vergangenheit etwas flüchten. Nicht so in Thailand. Das alte Elternhaus, welches etwas an das Anwesen in Tale Of Two Sisters erinnert, Ploys Klamotten, der Duft, der in der Luft liegt – einfach alles erinnert sie an Ploy. Und schnell merkt Pim und wir, das da noch jemand ist und irgendwas von Pim will. Schon ab Minute 10 werfen die Regisseure, die schon für Shutter verantwortlich waren, düstere Momente, Schockszenen und den Geist in den Raum, ohne uns groß darauf vorzubereiten. Das ist anfangs nicht weiter schlimm, da die Gruselmomente eher konventionell daher kommen. Da darf der bellende, irgendetwas vorahnende Hund genauso wenig fehlen, wie der berüchtigte Blick in den Badezimmer Spiegel. Dazwischen aber finden wir immer wieder Szenen, die man so noch nicht zu sehen bekam und einem positiv im Gedächtnis bleiben. Genau an diesem Punkt darf auch nicht zuviel verraten werden, da nichts über das jungfräuliche Schauen dieses Filmes geht. Hier hören wir am besten auf und vergeben am besten schon die Penen.

Naja fast. Über die handwerklichen Eigenschaften von Alone kann und muss ich ja noch ein Wörtchen verlieren. Die Cinematographie von Niramon Ross, welcher schon für Shutter und The Dorm die Kamera schwang, ist – mal wieder – absolut sagenhaft, insich stimmig, farblich einfach nur wundervoll und mit viel viel DOF ausgestattet. In Shutter zeichnete sich schon ab, das hier jemand am Werk ist, der sein Handwerk versteht und in The Dorm gab’s dann die Bestätigung. Der Mann kann was, der Mann schafft es normale Szenerien wie Krankenhäuser bei Tag und einem eigentlich schönen alten Anwesen ganz ohne zuviel Schwarz oder gar Nebel fürchterlich aussehen zu lassen. Besonders hervorgehoben sei hier die Szene mit der halbtoten Mutter, die einem nur durch die Änderung der Beleuchtung am Set eine Gänsehaut beschert.

Wie Augen, so werden auch gleichermaßen die Ohren verwöhnt. Für das Sounddesign war Vanilla Sky verantwortlich und es hörte sich fast so an, als hätten jene auch schon bei Shutter ihre Finger am Computer gehabt. Was hier Soundmäßig abgeht, ist Highquality eerie Musik, bzw. Geräusche, die nie Klischeehaft klingen und richtig bumsen, wenn’s sein muss. Wer diesen Film nicht laut schaut, der verpasst ca. 50 % der Atmosphäre.

Kurzum, wem Shutter schon gefiel, dem ist Alone selbstverständlich erst recht an’s Herz zu legen aber auch wem Shutter zu… sagen wir wenig neues bot, auch dem sei Alone empfohlen.

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Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert

Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert
(confessione di un commissario di polizia al procuratore della repubblica | italien 1971 | damiano damiani | dvd: koch media)

Der im Irrenhaus Einsitzende Lipuma wird mysteriöserweise freigelassen. Zwei Tage später stirbt er bei einer Schießerei im Anwesen des Unternehmers Lomunnos, ursprüngliches Ziel des Anschlags. Polizeikommissar Bonavia (Martin Balsam) untersucht den Fall. Dann schaltet sich auch der junge Staatsanwalt Traini (Franco Nero) ein, er glaubt fest an die Unfehlbarkeit der Justiz. Es stellt sich jedoch heraus, dass Bonavia in den Fall auf besondere Art verwickelt ist. Trainis Misstrauen wächst mit jedem Tag.

Damiano Damianis Der Clan… wirkt stellenweise wie eine weniger clevere – und weniger mutige – Version von Costa-Gavras’ Z, der zwei Jahre zuvor mit seiner pessimistischen und kompromisslosen Darstellung korrupter Machtstrukturen als besonderer Meilenstein in die Geschichte des politischen Films einging. Allein dieser Vergleich lässt den Clan nicht im schlechten Licht stehen. So gewann er doch im Jahr seiner Erscheinung den Hauptpreis des Moskauer Filmfestivals und wurde – nach Franco Neros Aussage – in mehr Länder verkauft als die Werke Leones und Fellinis es taten. Doch es bleibt ein wenig die Schwierigkeit, sich in die Situation der damaligen Zeit hineinzuversetzen, in denen diese Filme beim Publikum noch für weitaus größeren Aufruhr sorgten. Heutezutage ist das anders: Kritik an Regierung und Gesellschaft ist selbst in Hollywood-Blockbustern Gang und Gäbe, in manchen Fällen sogar zum selbstverständlichen Plotdevice geworden.

Dass sich hinter dem Clan dennoch ein durchaus lohnender Film verbirgt, ist vor allem in Damianis Herangehensweise zu begründen, die Kritiker als “kommerziell” oder “populistisch” abtun könnten: Die emotionale Konsequenz steht bei ihm an höchster Stelle. Der vergebliche Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch findet seinen Ausdruck in Bonavias verbittertem Gesicht, und am Ende auch in seinen Taten. Damiani schafft keine Distanz zum Geschehen, will auch nicht politische Komplexe in ihrer Gesamtheit ergründen. Er belegt exemplarisch am Einzelschicksal (siehe auch Töte Amigo) und bewegt den Zuschauer zum Mitleid – und damit zum Nachdenken. Den Vorwurf der Oberflächlichkeit und Vereinfachung kann man Damiani somit durchaus machen. Dass er jedoch gerade so ein größeres Publikum erreicht als mit akademischer Abstraktion, spricht unabhängig davon vor allem für seine Qualitäten als Filmemacher.

Weitere Erwähnung verdient der großartige Martin Balsam, Dreh- und Angelpunkt des Films. Wie er allein mit wenigen Gesten und seinen Gesichtsausdrücken eine derart humanistische Ausstrahlung verkörpert, ist absolut einmalig, sodass selbst Franco Neros übliches Charisma ein wenig untergeht. Und Riz Ortolanis einprägsames Titelthema tut sein Übriges, um die bedrückende Stimmung noch weiter zu steigern. Auch wenn am Clan, der seine Feinde lebendig einmauert eindeutig der Zahn der Zeit genagt hat – als filmhistorisches Dokument aus einer Zeit der Unruhe und des Umbruchs bleibt er auch heute noch höchst empfehlenswert.

Bonavia: Wo wohnen Sie?
Traini: Hier in der Nähe.
Bonavia: Passen sie auf, an einem der nächsten Tage könnte aus dem Hahn in ihrem Badezimmer Blut laufen. Oder sie bemerken eine defekte Stelle im Mauerwerk. Sie kratzen – und was kommt zum Vorschein: Ein Finger. Oder ein Auge.

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(Wer sich übrigens diesen bescheuerten dt. Titel ausgedacht hat, gehört in die selbe Zelle gesperrt, die bereits den Schöpfer von “zwei abgewichste Profis” beherbergt.)

Explosive City

E X P L O S I V E . C I T Y
Simon Yam | Alex Fong

Ein Mensch namens Mr. Yong (Tung-Cho Cheung) erreicht irgendeinen nicht näher beschriebenen Flughafen. Aus nicht näher erläuterten Gründen, findet ein Attentat auf ihn statt. Es schlägt fehl, da Polizist Chi-Shing Cheung (Simon Yam) ganz toll ist und Mr. Yong zur Seite stößt. Bei der Flucht der Attentäterin (Hisako Shirata) fällt diese dümmlicherweise von einer Mauer und haut sich ihren schönen Kopf an. Danach erinnert sie sich an nichts mehr. Ihr Aufenthalt im Krankenhaus ist zu gefährlich, also soll sie in das örtliche Polizeirevier gebracht werden. Da bekommt Polizist Yiu (Alex Fong) plötzlich eine Videonachricht (Fullscreen) auf seinen Laptop (Total flüssig, versteht sich). Seine Frau und sein Sohn sind in der Gefangenschaft nicht näher beschriebener Terroristen, angeführt von einem sogenannten Otosan (Sonny Chiba). Und dann geht’s irgendwie noch darum Alex Fongs Sohn wieder zu finden. Und… sowas.


(Links: Mr. Cool (Sonny Chiba) | Rechts: Mr. Sex (Simon Yam))

Der Trailer zu Explosive City sah recht stylish und ebenso explosiv aus, wie der Titel vermuten ließe. Leider ist der eigentliche Film aber ein ganz anderer, nämlich ein ziemlich langweiliges Stück löchriger Käse. Von Anfang an hat man Probleme zu folgen, da wenig erklärt wird und das, was am Ende erklärt wird, hat schon fast B-Movie flair. Da ist dieser Otosan, ein japanischer Terrorist, der Kinder kidnapped und sie mittels Hypnose zu einer Killerarmee aufzieht. Die Hypnose geschieht sichtbar im Film unter zuhilfenahme einer… Hypnosebrille. Ohne Witz. Ansonsten sieht man Alex Fong ziemlich angespannt von einem Schauplatz zum anderen fahren oder rennen und immer im Schlepptau die junge Japanerin, die anfangs zwar noch ausschließlich Japanisch spricht und versteht, im Laufe des Films dann aber einfach zu Kantonesisch wechselt und damit keine Probleme mehr hat. Das alles wäre zu verzeihen, wenn wenigstens Action abgehen würde, aber leider wird überwiegend nur gebabbelt oder es passiert rein gar nix. Shootouts gibt es zwar, die sind aber eher Mittelmaß und werden nicht nur die wackelnde Kamera, sondern zudem durch den überaus langweiligen Soundtrack unnötig abgewertet.


(Links: Es wird viel geplappert. | Rechts: Und sogar etwas geschossen.)

Nach dem Trailer dachte ich, das Explosive City wenigstens ein normaler Hong Kong Actionfilm ist, der nichts neues versucht, nicht an die ganz großen des Hong Kong Actionkinos anknüpfen kann, aber einen zumindest unterhält. Leider falsch gedacht. Ja nichtmal die Cinematographie kann da noch etwas retten. Offensichtlich wurde der Film stehts bei bewölktem Wetter gedreht und gute, bzw. stylishe Perspektiven sieht man nur selten. Kein Wunder, das der so schnell in Deutschland auf DVD erschien.

Langweilig von vorne bis hinten.

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Yankee

Yankee
(yankee | italien 1966 | tinto brass | dvd: koch media)

“Der Yankee” ist ein wohlgekleideter Gentleman, der durch den wilden Westen zieht, um Gangs – wie die vom “großen Concho” (Adolfo Celi) – den Garaus zu machen und das Kopfgeld einzustreichen.

Tinto Brass hat Yankee 1966 gemacht. Der Mann, der später mit Kitty Salon und natürlich der spektakulären Tittenkatastrophe Caligula (“der teuerste Porno aller Zeiten”) seine eigene, ganz spezielle Nische finden würde, war zu diesem Zeitpunkt scheinbar noch nicht sehr daran interessiert, gewisse weibliche Körperteile abzulichten. Er widmete sich viel mehr den Hauptströmungen der italienischen Filmindustrie und war wohl noch unsicher, welche Richtung seine Karriere einmal nehmen sollte. Dass Yankee dabei sein einziger Ausflug in den Italowestern bleiben sollte, ist schade, denn hier demonstriert er ein Händchen für extravagante Kamerarbeit und viele kleine spaßige Ideen.

So derivativ er auch sein mag – gar vor dreisten Leone-Abguckern wird nicht zurückgeschreckt – Yankee ist ein prächtig unterhaltender Film. Die Grenzen des Budgets lassen sich aus jeder Szene entnehmen, doch dafür füllen Brass und sein Kameramann Alfio Contini diese mit Schaufelladungen von einfallsreichen wie farbenfrohen Einstellungen und originellen Sets (das römisch-pompös eingerichtete Heim des Conchos ist da nur ein Beispiel). Mit Brass’ anderen Filmen bin ich nicht vertraut, weiß also nicht, ob sich diese visuelle Klasse auch in späteren Werken durchgesetzt hat, aber angesichts des Kultes um Brass müsste davon auszugehen sein. Jedenfalls wäre es nicht falsch, Yankee in seiner psychedelischen Einzigartigkeit neben Giulio Questis Django Kill oder Enzo G. Castellaris Die Totengräber warten schon einzuordnen.
Leider holen die großen Löcher im papierdünnen Plot die angenehm schnell voranschreitenden Handlungen in Yankee relativ schnell ein, sodass sich gegen Ende des zweiten Aktes einige Längen einschleichen. Die Katz-und-Maus-Jagd im verlassenen Dorf realisiert Brass auf humorvolle, abwechslungsreiche Art – aber sie ist einfach zu lang. Im Anschluss stellen sich die zu erwartenden, üblichen Storywendungen und Konfrontationen ein, welche schließlich zu einem vorhersehbaren, unbefriedigenden Finale führen. Dafür machen die Schauspieler einen postivieren Eindruck: Adolfo Celi als Bösewicht ist zwar nichts Neues; gerade diese Vertrautheit hat mir persönlich durchaus gefallen. Philippe LeRoy macht wirklich Spaß (vor allem in Verbindung mit der brauchbaren dt. Synchro): Sein freches wie cooles Auftreten in gepflegtem Anzug erinnerte mich nicht nur einmal an Gianno Garkos Sartana. Dreckige, auf Rache sinnende Cowboys gibt’s in Yankee darum nicht. Brass und Freunde haben mit diesem Protagonisten das Rad nicht neu erfunden, doch für Abwechslung sorgt es allemal.

Die neue DVD von Koch präsentiert den Film zum ersten Mal auf DVD. Sie ist nicht ganz so gut geworden wie bei Töte Amigo: Der Transfer ist solide, kaum verblasst und nur selten von Kratzern und Schmutz gestört. Bei einem derart obskuren und alten Film erwarte ich da nicht mehr. Die deutsche Synchronisation hat mir richtig gefallen, weder zur hölzern noch zu Brandt-mäßig prollig. Man kann sich aber auch die italienische Version mit dt. Untertiteln geben.

Extras gibt es ausser Trailern und einer Bildergallerie leider nichts. Zwar ist auf der Koch-Site ursprünglich ein Interview mit LeRoy angekündigt worden, auf der Disc ist davon leider nichts zu finden. Schade. Alles in allem eine recht gute Veröffentlichung. Dafür, dass Koch Media diese Filme trotz ihrer offensichtlich kaum vorhandenen Rentabilität rausbringen, haben sie natürlich weiterhin meinen großen Respekt und ich kann kaum erwarten zu sehen, was als nächstes auf den Tisch kommt.

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A-1

A-1
H E A D L I N E

Ling (Lee Sinjie) arbeitet als Journalistin in der Fashion Rubrik beim “Citizen Star”. Eines Tages hat ihr Ex-Freund – ebenfalls Reporter beim gleichen Blatt – einen tödlichen Autounfall. Die Schuldeneintreiber Fei (Anthony Wong) ein Ex-Cop und Ma (Eric Kot) ein Ex-Häftling werden zufällig Zeugen der Szene. Sie geben Ling erste Hinweise: Das sah nicht nach einem Unfall aus. Ling fängt an zu investigaten und kommt schnell darauf, das ihr Ex-Freund kurz vor seinem Tode an einer großen Story arbeitete.

Wird die Wahrheit an’s Licht kommen? Spannend, bis zum Schluss!

Naja fast. A-1 fängt recht rasant an. Die Stimmung ist mysteriös, die Bilder ebenso und schnell wird klar: “Heilige Scheiße! Hier haben wir es mit etwas ganz großem zu tun!”. Diese Stimmung wird auch über die erste Hälfte des Filmes ganz gut gehalten nur… sackt sie dann rapide ab. Es ist einfach nichts mehr los, das Ende absehbar und so wirkliche Spannung kommt einfach nicht mehr ganz rüber. Das Ende ist dann zugleich das traurigste am Film. Zu sanft ist die Auflösung, zu unschockierend die trueste aller truen Wahrheiten. Man sitzt unweigerlich da und denkt sich: “Hä? Das war’s?”. Im echten Leben würde einem ein Stein vom Herzen fallen, das nichts schlimmeres passierte, aber wenn man sich fast 2 Stunden einem Film widmet, dann will man ganz einfach etwas mehr.

Allen voran Anthony Wong und Lee Sinjie retten den Film vor’m totalen Untergang. Beide überzeugen mit angenehm zurückhaltenden, symphatischen und stets überzeugenden Performances. Was man von Eric Kot nicht ganz behaupten kann. Recht lustig zwar, aber etwas übertrieben kommentiert er das Geschehen auf der Leinwand und wirkt was wie ein Sidekick. Imho unpassend für einen Film dieser Art. Aber dafür haben wir ja Lee Sinjie, die nicht nur sexy, super skinny, sexy, wunderschön, hübsch, symphatisch und natürlich sexy ist, sondern zudem auch noch schauspielern kann. Und das nicht zu knapp. Da fällt sogar Shawn Yue kaum weiter (negativ) auf.

Schade schade. Ein guter Thriller, der mal nicht im Gangstermilieu Hong Kongs spielt, wäre echt wünschenswert gewesen. Aber der krasse Durchhänger nach der zweiten Hälfte macht ihn fast unansehbar. Aber gut, das Anthony Wong mitspielt. Dafür und die erste Hälfte der dritte Pimmel. :Q

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Bayside Shakedown

Bayside Shakedown
Katsuyuki Motohiro | Japan 1998

Es hätte ein ganz normaler Tag im Wangan Police Department werden können, wäre da nicht in einem Fluss eine Leiche aufgetaucht. Ihm wurde, wie sich herausstellt, der Bauch aufgeschnitten und ein Teddybär darin platziert. Die Wangan Police Force Truppe um Aoshima (Yuji Oda) würde sich auch gerne an die Ermittlungen machen, wenn da nicht plötzlich das Metropolitan Police Department mit einer kompletten Delegation an Hardware und Personal das Wangan Police Department stürmen und gehörig Chaos in die lokale Polizei bringen würde. Der Grund: der Polizeipräsident wurde gekidnapped. Das zusätzlich auch noch in der Polizeiwache ein Dieb unterwegs ist, erschwert das ganze nur.


(Alter, geiler Fotostyle. So sah das im Film nicht ganz aus. Geil. Geile Fotos. Geil.)

Bayside Shakedown basiert auf der damals sehr erfolgreichen, japanischen TV Serie “Odoru Daisosasen” und brachte es mittlerweile zu immerhin zwei Kinofilmen und einem verwandten Spin-Off. Bereits das Intro des Filmes erinnert schon stark an eine Serie und um was es darin geht: Charakterportraits. Schießereien gibt’s hier so gut wie gar keine. Bayside Shakedown geht sogar so weit, das selten ein Polizist jemandem mit einer Waffe droht oder gar zuschlägt. Nichts desto trotz bleibt der Film spannend, was hauptsächlich an den drei einzelnen Stories liegt. Die Entführung des Commissioners, der Dieb im Polizeiquartier und die Leiche im Fluss. Während die Auflösungen jeweils etwas unspektakulär wirken, so bleibt anfangs die Spannung, ob und wenn ja wie die drei Handlungsstränge ineinander verwoben sind. Und immerhin hat der Film noch zwei ganz andere Punkte, die ihn symphatisch machen. Comedy und Charaktere.


(Alter, geiler Fotostyle. So sah das im Film nicht ganz aus. Geil. Geile Fotos. Geil.)

In den knapp 2 Stunden Laufzeit wird ausreichend auf die verschiedenen Insassen des Wangan Police Departments und deren Beziehung untereinander eingegangen und am Schluss des Filmes kommt man nicht ganz drum herum, min. zwei der Charaktere zu mögen. Und dann ist da noch der teils satirische, teils gesellschaftskritische und unterschwellige Witz im Film. Die ganz großen Lacher bleiben aus, dafür gibts oft genug Grund zum Schmunzeln und das fast durchgängig, wenn da nicht die ernsten Unterbrechungen zwischendurch wären. Bayside Shakedown ist somit nicht nur Komödie und sogar Drama, sondern Thriller zugleich. Dabei passen sich die ernsteren Szenen relativ nahtlos in den Rest ein. Besonders gefallen, hat mir eine Begegnung mit einem gesuchten Mörder, die fast schon richtig creepy war. Auch das Ende war etwas überraschend und richtig nice.

Katsuyuki Motohiro, der ja auch für meine Lieblingskomödie aus Japan – Space Travelers – verantwortlich war, gelang hier also ein durchaus sehenswertes Stück Film. Für die volle Anzahl an Pimmeln reicht es leider nicht ganz, da mir zu oft der “Serienstil” präsent war und der Film an manchen Stellen etwas schneller zur Sache kommen könnte. Da ist Space Travelers eben ein quentchen besser. Aber immerhin: Ich will nun Teil 2 sehen.

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Töte Amigo

Töte Amigo
(quien sabe? | italien 1966 | damiano damiani | dvd: koch media)

Das blutige Finale der Revolution lodert über Mexiko. “Im Namen des Vaters!” schreit El Santo (Klaus Kinski), der Heilige, und wirft eine entsicherte Handgranate in den Kasernenhof der Regierungstruppen, die gerade ihren Morgenappell abhalten. El Santo gehört zur Bande von El Chuncho (Gian Maria Volonté) und dem geheimnisvollen Amerikaner Bill (Lou Castel), genannt El Gringo. Gemeinsam stürmen sie das Fort, um Munition und Waffen zu erbeuten und diese an den Revolutionsgeneral Elías zu verkaufen.

Damiani hat hierzulande vielleicht den größten Bekanntheitsgrad durch die preisgekrönte Miniserie Allein gegen die Mafia erlangt. Wie andere Regisseure verließ er gegen Ende der Siebziger das sinkende Schiff der italienischen Filmindustrie, um sich dem Fernsehen zu widmen. Zuvor jedoch drehte er mehrere politisch ambitionierte Filme u.a. mit Franco Nero, die sich durch ihre Tiefe und beißende Kritik vom oberflächlichen italienischen Populärfilm abhebten. Zu diesem Ouevre gehört auch Töte Amigo, sein einziger ernste Beitrag im Genre des Italowesterns (vom lahmen Auftragsklamauk Nobody ist der Größte mal abgesehen). Wobei es sich hierbei allerdings um ein derartiges, Genregrenzen transzendierendes Meisterwerk handelt, dass es fast schon unfair wäre, Töte Amigo bloß als weiteren Italowestern einzustufen (und nach dem auf der DVD enthaltenen Interview würde Damiani mir da zustimmen).

Ganz offensichtlich wurde der Film mit einem weitaus größerem Budget realisiert, als es damals für ähnliche Werke üblich war (außer man heißt Leone), was zur Tragweite des Films passt. Denn: Töte Amigo ist bei weitem kein B-Movie, nichtmal ein Genrefilm, sondern eine tiefschwarze, scharfsinnige Reflexion über den Irrsinn blutiger Revolution und politischer Unterdrückung. Mit Sarkasmus und Tragik zeigt Damiani, wie ideologische Bestreben, der Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit, zu bloßem Vorwänden zur Erfüllung von Gier und persönlichem Wohl verkommen. Das arme mexikanische Volk leidet am meisten, gerät es doch stets zwischen die Fronten der reaktionären Regierung und den verblendeten Revolutionären. Und obwohl Damianis Sympathien eindeutig bei den Revolutionären liegen, zweifelt er an ihren Methoden, durchschaut ihre adaptive Loyalität, welche sich immer dahin wendet, wo es das meiste Geld zu holen und die meisten Soldaten zu töten gibt. An niemandem wird ein gutes Haar gelassen; bloß der mysteriöse Bill – sein Charakter ein einziger Geniestreich – gibt weder seinem Freund El Chuncho noch dem Zuschauer einen Hinweis auf seine Motive. Erst beim großartigen Ende wird deutlich, was auch auf ohnehin alle zutrifft: Hier gibt es keine eindeutigen Seiten, kein Gut und Böse, nur unterschiedlich groß gefüllte Brieftaschen.

Zwischen Arroganz und Kühle spielt Lou Castel Bill, was allerdings oft so weit geht, dass El Chunchos “Freundschaft” mit ihm nicht wirklich nachvollzogen werden kann. Obwohl man meinen könnte, dass Gian Maria Volonté in allen Western, in denen er mitspielt, irgendwie immer derselbe Charakter ist, brilliert auch er durch seine durchdringende Intensität und Energie. Kinski bleibt auf eine Nebenrolle beschränkt, von der ich persönlich gerne mehr gesehen hätte, aber man kann halt nicht alles haben.

Mit seinen fantastischen Bildern, den abwechslungsreichen Sets und Locations, und vor allem dem hervorragenden Drehbuch lässt sich Töte Amigo ohne weiteres als ein Klassiker bezeichnen. Damianis Message wird stets eindringlich, nie plump vermittelt, und leider entbehrt diese auch heute nicht einer gewissen Relevanz. Spätere italienische Filme widmeten sich ebenfalls der mexikanischen Revolution – von denen höchstens Leones Todesmelodie die Klasse von Damianis Werk erreicht. Interessanterweise merkt man an dieser ungeschnittenen Version des Films immer am Wechsel zum englischen Ton, wo früher in der dt. Fassung die Schere angesetzt wurde – bei Passagen, die Damianis Aussage besonders herausstellen und im damaligen politischen Klima wohl als zu heikel angesehen wurden. Insgesamt sind das einige, für den Film immens wichtige Minuten.

Die neue DVD von Koch Media ist mehr als ordentlich. Auch das schmale, edle Digipak, dessen Cover minimalistisch und geschmackvoll gestaltet wurde macht Eindruck. Dazu kommen informative Interviews mit Damiano Damiani und Lou Castel, mehrere Trailer, eine Bildergallerie und ein direkt in die Innenseiten des Cases gedrucktes Essay von Wolfgang Luley. Das Ganze für nur €9,90. Toller Film, tolle DVD. Bitte kaufen.

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Golden Chicken 2

Golden Chicken 2
Hong Kong 2003

Im Jahre 2046 verhindert die mittlerweile 82-jährige Prostituierte Kam (Sandra Ng) einen Selbstmord. Ein junger, gerade von seiner Freundin verlassener Mann (Chapman To), erträgt das Leben ohne Freundin nicht mehr und will Pillen schlucken. Eine perfekte Situation für die redselige Rentnerin, die sich gleich an die Arbeit macht und von ihrem turbulenten Leben als Prostituierte erzählt.

Mal wieder.

Ja also. Golden Chicken 2 fängt ungefähr genauso an, wie Teil 1. Der Ort ist lediglich die Zukunft, kein ATM Booth mehr sondern random Hochhausdächer über dem Hong Kong im Jahre 2046 und der Anfang ist immer noch ziemlich schrill, ziemlich peinlich und für HK Filmneulinge nur schwer verdaubar. Leider wird’s auch nicht mehr besser und mit dem Auftauchen von Kams Cousin (Jacky Cheung) sogar regelrecht weird. Nicht nur, das sie trotz Verwandtenstatus mit einander herummachen (Was mich ja sogar etwas geil machte), nein im späteren Verlauf des Filmes heiraten sie sogar und überhaupt ist Jacky Cheung ziemlich nervtötend. Overacting kann ja manchmal ganz gut passen und sogar von Nöten sein, aber hier raubt es einem den letzten Nerv. Da war der Haarfetischist in der ersten Hälfte des Filmes ja noch eine reine Wohltat. So wird Golden Chicken 2 nicht wie Teil 1 etwa besser, je länger er geht, sondern fast sogar weirder. Es fehlen irgendwie die Szenen der Identifikation mit den Hauptfiguren und ganz einfach die positive Stimmung, die Teil 1 noch aus machte.

So bleibt ein bitterer Nachgeschmack und einem beschleicht so langsam das ungute Gefühl, das man es doch hätte vorher wissen müssen.

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Golden Chicken 1

Golden Chicken
Hong Kong 2002

Kum (Sandra Ng) ist Prostituierte in Hong Kong und schlägt sich so durch’s Leben. Auf Ihrem Bankkonto befinden sich lediglich noch 98 HKD (umgerechnet 9 EUR), was aber gerade von Vorteil ist, denn sie befindet sich in einem Bankautomatenschalter und wird gerade von einem Kleinkriminellen (Eric Tsang) ausgeraubt. Bzw. eben nicht, weil nichts da ist. Und just bevor Täter und Opfer fertig mit diskutieren sind gibt’s einen Stromausfall, welcher beide in der Bank einschließt. Und wie sie nunmal ist, fängt Kum an zu erzählen. Von ihrem Leben in Hong Kong, den auf und abs und von den Zeiten, als es ihr noch besser ging.

2002 war “Golden Chicken” ein regelrechter Kassenschlager an Hong Kongs Kinos und der Anfang lässt einen noch grübeln, warum das eigentlich so war. Denn der Film kommt schwer in Gang. Anfangs wird zuviel Klamauk, zuviel – für westliche Leute – schwer verständlicher, bzw. alberner Humor dargeboten. Erst mit dem ersten großen Umschwung in Kums Leben, wird der Film ein klein wenig ernster, besser und fast zum Drama. Lacher werden weiterhin geboten, aber Director Samson Chiu lässt sich nun öfter mal Zeit für ruhige Momenten, die einem dann die Möglichkeit geben sich mit Hauptdarstellerin Sandra Ng zu identifizieren (Auch wenn’s schwer fällt) und sie einfach symphatisch zu finden. Auch wenn nach dem ersten Drittel mehr Ernsthaftigkeit und Gefühl in den Film kommt, so fällt es einem oft schwer ihn ernst zu nehmen. Nicht etwa, wegen der Gags, sondern vielmehr der Art, wie Kum – immerhin eine Prostituierte – mit ihrem Job umgeht. Irgendwie zu leichtfertig, zu unbeschwert kommt es einem vor und somit zu unrealistisch. Irgendwie hat man ständig im Hinterkopf, das eine Prostituierte nicht derart Spaß an ihrem Job haben kann. Erst recht nicht, wenn man den überaus fetten Kerl sieht. xD

Das aber nur am Rande. Ansonsten bleibt eine mehr oder weniger lustige Komödie mit genug Dramatik am Schluss, das der Film nicht im Klamaukpool Hong Kongs verschwindet und Gastauftritte gibt’s auch reichlich. Tony Leung Kar-Fai, Tiffany Lee, Chapman To und Andy Lau geben sich die Klinke in die Hand und manche erkennt man teilweise erst beim zweiten Hinschauen. Durchaus empfehlenswert, wenn auch nicht für HK Filmneulinge, die durch den Anfang etwas abgeschreckt werden könnten. Des Weiteren gibt’s viele sexy Chinesinnen zu sehen (Vor allem die Mainland Sisters sind einfach grandios) und überhaupt überzeugt Sandra Ng in ihrer Rolle voll und ganz.

Applaus!

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