Election 2 – Harmony Is A Virtue

Election 2 – Harmony Is A Virtue aka Hak Se Wui Yi Wo Wai Kwai (Hong Kong 2006, Johnnie To)

2 Jahre sind vergangen, seit Lok zum Chairman der Wo Sing Triad Society, der chinesischen Mafia, gewählt wurde. Die Tradition will es, das nun ein Nachfolger gewählt wird. Zur Auswahl stehen Kun, Jet und Jimmy, der eigentlich gar nicht so richtig will und sich mehr als Geschäftsmann denn als Gangster sieht. Er betreibt ein lukratives Geschäft mit Porno Bootlegs und würde gerne auf’s Festland expandieren. Aus dieser Gangstergeschichte, kann sich Jimmy allerdings nicht mehr raushalten, als zwielichtige, der chinesischen Regierung angehörende, Gestalten ihm raten für den Chairman zu kandidatieren, da sie sonst seiner Expansion nicht zustimmen. Richtig problematisch wird es zudem, als Lok beschließt einfach die Traditionen zu brechen und das zweite Mal als Chairman kandidatieren will. Koste es, was es wolle…

Election 2 ist ein trister Film. Viele Szenen spielen sich nachts ab. Viele Szenen versprühen einfach nur noch Hoffnungslosigkeit. Die Musik versucht ihr bestes dieses Gefühl aufrecht zu erhalten. Selten gab’s einen Film in dem es einem schwerer fiel einen Bezugspunkt zu finden. Lok grinst zwar die ganze Zeit, als könnte er keiner Fliege etwas zu Leide tun, aber wir sahen ja schon in Teil 1, wohin das führt. Mit Lok symphatisieren? Auf keinen Fall. Jimmy ist recht zurückhaltend und mehr Geschäftsmann. Er will einfach nur Geld verdienen und für seine Frau ein tolles Haus auf dem chinesischen Festland bauen. Aber was er sich dann im Hundezwinger leistet spottet jeder Beschreibung. Wie soll man sich mit so einem identifizieren? Die anderen Charactere machen gar keinen Hehl draus, das sie dreckige Arschlöcher sind.

Und das ist gut so.

Hier hebt sich Election 2 vom gewohnten Hong Kong Bloodshed Kino ab. In diesem Film regiert weder Freundschaft noch Loyalität, hier zählen einzig und allein Geld und Macht. “Realistisch” nennen es die einen, “erfrischend anders” die anderen. Wie auch immer, auf jedenfall bietet Election 2 auf diese Weise etwas, das man so nur selten sieht. Einen gnadenlosen Blick auf die Fähigkeit des Menschen, sich in bestimmten Situationen schlimmer als ein Tier zu verhalten.

Und mal wieder ist es Johnnie To, den Schauspielern und dem Drehbuch zu verdanken, das das alles so wunderbar funktioniert. Johnnie To inszeniert Election 2 in einem sehr langsamen Tempo, welches dem Film aber keinen Abbruch tut, im Gegenteil. Das Gesagte und das Gezeigte wirkt nur noch intensiver. Und im Gegensatz zu Election 1 passiert hier auch etwas. Simon Yam, Louis Koo und allerhand namhafter(!) Nebendarsteller tun mit ihrer emotionslosen Darstellung der Society Mitglieder ihr übriges um die Tristess des Films zu intensivieren. Lok kann soviel grinsen, wie er will, es sieht immer unecht aus.

Trotz Ähnlichkeiten gefiel mir Election 2 weitaus besser, schon allein weil er das bessere Ende hat. Es ist so passend und mit einem Klos im Hals packt man die DVD weg und freut sich, kein Gangster zu sein. Besonders erwähnen möchte ich auch nochmal den Soundtrack, der ziemlich minimalistisch ist aber gerade deswegen so gut passt. Zum bekannten Titletheme gesellen sich einfache Melodien, die teilweise nur mit einem Instrument auskommen.

Einfach nur deprimierend.

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Running Out Of Time

Running Out Of Time (Hong Kong 1999, Johnnie To)

Running Out Of Time (Hong Kong 1999, Johnnie To)

Cheung (Andy Lau) hat keine Zeit mehr. Krebs zerfrisst seinen Körper von innen und die Ärzte geben ihm nur noch wenige Tage. Bevor er aber stirbt, will er mit der Hong Konger Polizei ein Spiel spielen. Die Zeit: 72 Stunden. Der Auserwählte: Polizist Ho. Ihn hat Cheung ausgesucht, weil er einer der ehrgeizigsten und besten in Hong Kong ist. Erst später merkt Ho, das Cheung eigentlich noch einen ganz anderen Plan verfolgt…


Mal sehen…

Milkyway
Johnnie To
Lau Ching Wan
Andy Lau
Lam Suet
Siu Hung Hui


Öhm.. was sollte da noch schief gehen? Richtig. Nichts. Running Out Of Time ist – mal wieder – einer der grandiosen Johnnie To Filme, die aus relativ wenig ganz viel machen. Die Story ist recht einfach und hätte schnell in einem Kommerzblockbuster mit Arnold Schwarzenegger enden können, der dann doch keiner wird, weil das Drehbuch von einem Ami geschrieben wurde. Aber wir befinden uns ja momentan in Hong Kong und nur deswegen kann man sich getrost zurücklehnen und genießen, wie sich Lau Ching Wan und Andy Lau eine spannende, überraschende, actionreiche und dramatische Jagd liefern.

Da der Film überwiegend von seiner Story und den Characteren lebt, tat man gut daran nicht nur Hong Kongs angesagteste und sicher auch beste Schauspieler zu engagieren, sowie das Drehbuch so zu schreiben, das stets alle Aktionen glaubwürdig bleiben und die Charactere genug Zeit kriegen, dem Publikum symphatisch zu werden. Mehr noch. Ehe man sich versieht hat es den Anschein als wären Gangster und Polizist sich gegenseitig auch noch symphatisch. Cheung ist ganz froh drum, einen fähigen Polizisten wie Ho zu haben, der mitspielt. Denn nur mit ihm kann er seinen eigentlichen Racheplan am Mörder seines Vaters durchziehen. Und Ho muss ganz ehrlich zugeben, das es ihm auch Spaß macht. Endlich wird er gefordert und hat wieder etwas zu tun. Wie oft hat er schon das Lager in der Polizeistation aufgeräumt und aufräumen lassen, weil es sonst nichts zu tun gab.

Während es überwiegend die Szenen zwischen Andy Lau und Lau Ching Wan sind, die den Film tragen, so gibt es da noch diesen ganzen Kleinkrams nebenbei, die stilvolle Kameraarbeit und die grandiose Musik von Raymond Wong, die dem Film so perfekt machen.

Mit Kleinkrams ist gemeint: Nebendarsteller. Kurze Szenen und Stellen im Drehbuch, die dem Zuschauer entweder ein Schmunzeln oder ein “Aha!” entlocken. Besonders Lam Suet ist mal wieder in Topform und zeigt, das ihm auch Nebenrollen nicht egal sind und spielt, das sich die Balken biegen. Auch der Humor trifft stets in’s schwarze und wirkt nie deplatziert, da er wohl portioniert ist und nie in Klamauk endet. Das bei diesem Film die Kameraarbeit perfekt ist und der Soundtrack absoluten Ohrwurmcharacter hat und wie die Faust in’s Arschloch passt, ist da nur zu Begrüßen. Das alles macht den Film so perfekt.

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The Longest Nite

The Longest Nite (Hong Kong 1997, Patrick Yau)

Die verfeindeten Triadenbanden des Mr. K und Mr. Lung beginnen nach Jahren des Krieges endlich mit Friedensverhandlungen. Lame, das gerade jetzt das Gerücht auftaucht, es sei ein Kopfgeld auf Mr. Lung ausgesetzt und somit ein Attentat geplant. Noch lamer, das das Gerücht besagt, das Kopfgeld wurde von Mr. K gesetzt. Sam, seines Zeichens korrupter Bulle, der für Mr. K arbeitet, wird darauf angesetzt für Ruhe in Macau zu sorgen. Alle sollen doch bitte die Füße still halten, damit es nicht zur sprichwörtlichen Explosion kommt. Ausgerechnet jetzt kommt ein sicker Glatzkopf namens Tony in die Stadt. Will er Mr. Lung umlegen? Wer ist er? Warum verpisst er sich nicht einfach? Wichser.

Das Hollywood dem Zuschauer gerne alles ganz genau erklärt, dürfte bekannt sein. Oft wirkt das einfach lame in Filmen. Oft denkt man sich nur: !”Oh ja, danke für den Hinweis. Denkt ihr, ich bin blöd?”. Da bevorzuge ich ganz ehrlich gesagt Filme, in denen nicht immer alles auf Anhieb offensichtlich ist. Nicht alles vom Regisseur vorgekaut und mit einem großen Pfeil darauf hingewiesen wird. Aber im Fall von The Longest Nite ging mir das etwas zu weit. Selbst nach dem zweiten male Anschauen raffe ich noch nicht alles. Trotz seiner Linearität (Die Geschichte spielt sich komplett in einer titelgebenden Nacht ab) fühlt man sich immer noch unsicher, was da nun eigentlich vor sich ging. Man weiß jetzt mehr über Sam und Tony und kann nun sogar Leute von Mr. K und Mr. Lung außeinander halten, aber trotzdem fehlen einem Fragmente um ruhigen Gewissens sagen zu können: “Ach so. Ja klar!” Und das mag ich ganz einfach nicht. Also bleibt der Film als Ganzes mir verschlossen. Was ich zu bewerten vermag sind einzelne Szenen. Bruchstücke. Momente.

Und die sind als durchweg gelungen zu beschreiben. Der Film ist tatsächlich mit einer der düstersten Filme Hong Kongs. Jeder ist böse. Selbst dein vermeindlicher Freund und Helfer, die Polizei, bieten wenig positives, an das man sich hangeln könnte. Hier werden Hände mit Ketchupflaschen unbrauchbar gemacht, die neusten Foltermethoden ausprobiert, Menschen erschossen und kopflose Leichen in den Wohnungen der Leute platziert. Und dazwischen nicht etwa ein Lichtblick, nein, viel mehr eine weitere Enttäuschung. “Was, nichtmal auf die kann man sich verlassen?” So geht es den ganzen Film über, bis zum bitteren Ende, an dem manche sich eventuell etwas allein gelassen fühlen dürften.

Persönlich gefiel mir am meisten die Kameraarbeit. Vor allem die Szene in der Zelle und mehrere Szenen in den Straßen Macaus. Dunkle Straßen und Gassen erfahren durch die, dank der Neonreklame der Casinos in grelle Rot- und Blautöne getauchten, Straßen Macaus eine willkommene Abwechslung ohne jemals fröhlich oder gar einladend zu wirken. Einzig der Soundtrack kann da nicht mithalten. Weder die Komposition, noch die technische Ausführung können begeistern (Midi?). Zudem wird in vielen Szenen einfach Giorgo Moroders “The Chase” aus dem Midnight Express Soundtrack nachgespielt. Das passt zwar im Grunde, ist aber leider einfach nur geklaut und lächerlich. Der Sound macht da keine Ausnahme. Offensichtlich stand nur das “Hollywoods Most Famous Sound Effects” Archiv in einer abgespeckten Version (Auf einer 3,5 ” Diskette) zur Verfügung, denn Schüsse und Schläge klingen grausam. Das wäre ja noch zu verstehen (mangel an Budget), aber warum Triadenopa und Publikumsliebling Wong Tin-Lam sich selbst synchronisiert, wie ein Faultier auf Schlaftabletten, ist mir ein Rätsel.

Bleibt das Fazit: die undurchsichtige Story, der lame Soundtrack, die noch lameren Sounds und vor allem das ungute Gefühl, nichts kapiert zu haben am Schluss, bringen mich nur zu 3 Penen, für diesen Film. :Q

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The Longest Nite

The Longest Nite (Hong Kong 1998)

Sam (Tony Leung Chiu-Wai) ist ein korrupter Cop, der die Triadenbanden von Mr. K und Mr. Lung mehr als Freunde denn als Feinde sieht. Die eigentlich verfeindeten Banden beginnen gerade mit Friedensverhandlungen, als der mysteriöse, doch mächtige Mr. Hung ein Kopfgeld auf Mr. K aussetzt und die Triadenwelt zur Explosion bringt. Da tritt auch noch der zwielichtige Tony (Lau Ching Wan) auf den Plan, Sam findet eine Leiche in seiner Wohnung und muss hilflos mit ansehen, wie er in einen Strudel des Verbrechens gerät.

Böse Zungen behaupten ja, dass die komplette Milkyway-Filmographie von The Longest Nite-Regisseur Patrick Yau in Wahrheit auf das Konto von Johnnie To geht. Der sollte sich mit Yau auch noch später, bei Where A Good Man Goes in die Haare kriegen und kurzerhand dort auch offiziell den Regiestuhl für sich beanspruchen. 2000 drehte Yau dann noch The Loser’s Club, dessen Qualität mit “seiner” Milkyway-Crime-Trilogie so gut wie gar nichts mehr am Hut hatte und die Gerüchte damit bestätigen dürfte.

Beim Anblick von The Longest Nite wirkt diese Tatsache allerdings alles andere als überraschend: Die sorgfältig durchleuchteten Szenen, eleganten Kamerafahrten und opulenten Bilder sind ein unverwechselbares Markenzeichen Johnnie Tos. Ein Großteil des Films spielt sich (logischerweise) bei Nacht ab, die vorherrschenden Farben sind blau und schwarz und treffen damit die Grundstimmung perfekt. The Longest Nite ist ein bitterböser Film, dessen von Verrat und Intrigen gespickte Story man als Zuschauer ebenso unverständlich und hilflos verfolgt wie sein Protagonist Sam. Hier gibt es keine pflichtbewussten Cops (von denen Sam ebensowenig einer ist) und keine ehrenhaften Triaden. Wörter wie “Loyalität” und “Treue” wurden auf den Straßen Macaus längst kaltblütig von “Geld” und “Macht” überfahren.

Wie schon gesagt, die sich um Sam entfaltenden Ereignisse sind beinahe unmöglich im Detail nachzuvollziehen, irgendwie undurchsichtig. Dem Film tut das keinen Abbruch. Man ist genug beschäftigt, zu sehen, wie Sam langsam kapiert, dass auch er nur zum Spielball der Triaden geworden ist und verzweifelt einen Ausweg sucht. Lau Ching Wan als Tony übt auf Zuschauer wie Sam eine unglaubliche Ausstrahlung aus, das zwischen ihm und Tony Leung entstehende Psychoduell sucht im HK-Kino immer noch seinesgleichen und muss sich allenfalls mit der Performance von Lau Ching Wan (huch!) und Francis Ng in Full Alert messen. Obwohl ihre Charaktere scheinbar auf unterschiedlichen Seiten stehen, ähneln sie sich weit mehr, als sie sich zugestehen würden – diese Facette der Geschichte drückt sich im Showdown mit der Subtilität eines Holzhammers aus.
Ansonsten tauchen natürlich auch Routiniers wie Lam Suet auf und vermögen auch im Bereich der Nebendarsteller die Leinwand angemessen auszukleiden.

Die eingestreuten Shootouts sind solide Kost, leiden aber unter dem schlechten Sounddesign und der unpassenden Musik. Wie wir alle wissen, war das bei Milkyway um diese Zeit noch ein bisschen das Problem. Klanglich macht der Film längst nicht so eine gute Figur, ist den Bildern in dieser Hinsicht alles anderes als ebenbürtig, aber es ist auszuhalten. Gut, dass die Schießereien nicht Mittelpunkt des Geschehens in The Longest Nite sind. Wir haben es eher mit einer Art Noir-Krimi zu tun, pechschwarz vom Anfang bis Ende. Apropos Ende: Das ist selbstverständlich unangenehm wie ironisch und führt die Story konsequent zu einem glaubwürdigen Schluss. Ein ärgerliches, bösartiges Ende, man wird es vielleicht hassen. Und genau darum geht’s: Wenn man mit einem bitteren Nachgeschmack die DVD aus dem Player holt, hat The Longest Nite sein Ziel erreicht. Einen düstereren, nihilistischeren Triadenfilm wird man in Hong Kong (vielleicht Dog Bite Dog mal ausgenommen) nicht mehr finden.

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Resurrection Of The Golden Wolf

Resurrection Of The Golden Wolf Japan 1979

Asakura (Yusaku Matsuda) ist ein einfacher Bankangestellter, der nicht viel verdient und immer sehr gehorsam ist. Doch er hat auch eine andere Seite: Wenn er nicht zur Arbeit geht, verwandelt er sich in einen geldraubenden, drogendealenden Badass, der Schrecken jedes…normalen Menschen. Mit allen Mitteln versucht er, die Firma für die er arbeitet eines Tages zu übernehmen.

Resurrection Of The Golden Wolf ist ein seltsamer Film. Die ersten 40 Minuten ist man vom Bild- und Musikstrudel völlig erfasst. Cool wie ein Schweinehund zieht Asakura mit Sonnenbrille und 70s-Frisur durch die Straßen, fährt einen dicken Sportwagen, schießt Gangsterbosse zusammen, klaut Geld, macht Frauen heroinabhängig und bumst sie dann, spielt Firmenbosse gegeneinander aus. Dann ist er am nächsten Tag einfach wieder der brave Angestellte. Richtig Sinn ergibt das zwar nicht, aber scheiße, es macht Spaß. Zu keinem Zeitpunkt steht die Kamera still, immer in Bewegung, unterstützt von einem supergeilen Soundtrack, eine Mischung aus funkigen Siebziger-Beats und JPop.

So hätte der Film bleiben müssen. In 80 Minuten. Mehr hätte er gar nicht gebraucht. Doch dann entscheidet sich Regisseur Toru Murakawa aus einem unerfindlichen Grund dazu, alles in Richtung Drama zu hieven. Auf unnötige Weise verkompliziert er im 2. Drittel des Filmes die Story, bei der es Asakura durch eine Reihe Intrigen und Erpressungen gelingt, tatsächlich vom kleinen Bankangestellten ganz an die Spitze der Firma zu gelangen. Dies spielt sich in zahllosen, zu langen Szenen ab in denen viel geredet wird. Laaaangsam. Viel zu laaangsam. Keine Ballereien mehr, nur kleine Machtspielchen. Man kapiert irgendwann nicht mehr, wer hier eigentlich wen zu hintergehen versucht. Dazu noch einen Liebes-Subplot, und zuviel ist zuviel. Man hofft: “Gut, hoffentlich gibt’s am Ende wenigstens noch eine dicke Ballerei!” aber nein. Völlig antiklimaktisch endet der Film, und obwohl das Ende gar nicht mal schlecht gemacht ist – einer Frau gelingt das, was tausend Gangster Asakura nicht anzutun vermochten – aber es fehlt was. Man vermisst den Drive des ersten Drittels. Wirklich, wirklich schade.

Der Film ist natürlich nicht schlecht. Im Gegenteil. Hauptdarsteller Yusaku Matsuda ist perfekt gemacht für diese Rolle, ein muskulöser, dunkelhäutiger Typ, der nur eine Perücke und Brille aufsetzen braucht um wieder wie ein harmloser Taugenichts auszusehen. Ebenfalls sehr charismatisch in einer Nebenrolle: Sonny Chiba. Keine Frage, die Schauspielleistungen sind gut, die Bilder klasse, die Musik über jeden Zweifel erhaben, da wünscht man sich einmal das so ein Film einfach nicht mehr sein soll als Action, Titten und dicke Autos (Verfickt nochmal, in den ersten 40 Minuten ist er das auch, und macht seine Sache verdammt gut), dann geht jemand hin und macht es unnötigerweise viel zu abgehoben. Nach 130 Minuten hat sich der Film einfach wie ein Teppich ausgerollt, am Ende steht kein großer Knall mehr, gar nichts. Es ist ärgerlich.

Und doch hat Golden Wolf in mir das Bedürfnis ausgelöst, mehr in der japanischen Seventies-Schatzkiste rumzugraben. Da gibt’s wohl noch viel zu holen, von Toei’s Pinky Violence Filmen bis zu frühen Seijun Suzuki-Werken. Denn zieht man in Betracht, dass ich an dieses Werk mit so gut wie gar keinen Erwartungen ging, bin ich extremst überrascht, was für eine inszenatorische Qualität festzustellen war. Ich bin gespannt, was sich noch finden wird.

Auch überrascht war ich von der IVL-DVD die den Film einfach nahezu perfekt präsentiert. Die Farben sind etwas blass, doch der Ton klingt wie von heute, das Bild ohne Beschädigungen oder Verschmutzungen. Wenn ich mir überlege, wie die Italiener zu der Zeit teilweise mit ihren Prints umgegangen sind, muss ich ein großes Lob aussprechen.

Wertung ist jetzt schwierig. Die ersten 40 Min. sind einfach der schiere Hammer. Dann kommt nur noch wenig spannendes, das aber alles andere als schlecht gemacht ist. Hm. Sagen wir, sehr gute 3 Penen. ~_~

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Scarred Memory

Scarred Memory Hong Kong 1996

Ivy (Veronica Yip, in ihrer letzten Rolle bevor sie die HK-Filmwelt verließ) ist eine eigentlich glückliche Doktorin in einem Hong Konger Krankenhaus. Vor 2 Monaten jedoch wurde sie von einem Mann vergewaltigt, was sie bis heute vergeblich zu verdrängen versucht.
Eines Tages erwischt sie auch noch ihren Geliebten, wie er sie mit einer Krankenschwester betrügt. Immer noch geschockt und traumatisiert passiert ihr am selben Tag eine Fahrlässigkeit, als ein verletzter Gangster, Lung (Simon Yam) in die Notaufnahme kommt. In Folge dessen verschlimmert sich sein Zustand, er fällt ins Koma.
Ivy schmeißt die Arbeit hin und zieht nach Macau, um das Geschehene zu vergessen. Inzwischent kommt Lung mit schwerem Gedächtnisverlust und geistiger Umnachtung zu sich. Ivy trifft ihn zufällig, und beginnt sich um ihn zu kümmern. Sie freunden sich an und es entwickelt sich sogar eine Liebesbeziehung. Dabei hat Lung trotz seiner Harmlosigkeit einige düstere Geheimnisse – und nur eins davon ist seine Triadenvergangenheit…

Das ist also Scarred Memory. Auch Regisseur Raymond Leung, zuvor für Sleazeattacken wie Angel verantwortlich, hat sich scheinbar nach dieser Arbeit aus dem Business zurückgezogen. Was schade ist, denn hier haben wir einen beachtlichen Mix aus Liebesdrama und Psychothriller vor uns. Gespickt mit vielen Flashbacks erfährt der Zuschauer erst langsam die Details über die Vergewaltigungsnacht sowie die Vergangenheit Lungs. Ich nehme an, sein CAT III-Rating hat der Film auch wegen der (doch für westliche Verhältnisse vergleichsweise harmlosen) Vergewaltigungsszene.
Wer nicht gerade völlig verblödet ist (Hi Max!), sollte jetzt eigentlich leicht ahnen können, auf welchen Twist die Story hinarbeitet. Wenn nicht, Achtung Spoiler…

Es war natürlich Lung, der Ivy damals vergewaltigte. Das Thema des Films daher: Kann Liebe die Menschen vergessen lassen? Ivy merkt zuerst, dass Lung es war, trotzdem hält sie an ihm fest. Tatsächlich ist er ein völlig anderer Mensch als damals geworden, will ein ehrliches Leben zusammen mit Ivy beginnen. Nach und nach beginnt aber auch Lung sich an seine Vergangenheit zu erinnern und auch sein Geisteszustand wird klarer.
Das kleine Problem des Films ist jetzt: IMHO entsteht dieser Gewissenskonflikt viel zu spät. Erst so nach ca. über einer Stunde wird Ivy klar, dass Lung sie vergewaltigt hat. Darum wird dieser, eigentlich wichtigste Aspekt des ganzen Films etwas zu kurz und oberflächlich behandelt. Immerhin sehen wir vorher, wie gut die beiden sich anfreunden und können ihr Handeln besser nachvollziehen.

Ansonsten ist Scarred Memory äußerst kompetent inszeniert. Zwar wird Leung die leicht billige Sleaze-Atmosphäre nie wirklich los, doch die vielen, die sonst unauffällige Dramatik durchbrechenden Flashbacks machen es dem Zuschauer immer wieder sehr ungemütlich und heben den Film kilometerweit aus der Masse quietschiger CATIII-Bumsfilmchen heraus. Raymond Leung schafft tolle Kontraste zwischen der sonnigen Idylle Macaus und den düsteren Bildern direkt aus den Gedächtnissen der Charaktere. Die (Synthesizer-)Musik ist recht stimmungsvoll und tritt in den wichtigsten Szenen positiv in Erscheinung. Etwas übertrieben hat es Leung dann schließlich mit dem Ende, das – bei objektiver Betrachtung – zusehr in Richtung Triadenfilm schielt und den Pathosregler auf Maximum dreht. Für sich genommen handelt es sich jedoch um die beste Szene im Film – phantastisch, gar poetisch greifen hier klassische Musik (Ich komm grad nicht drauf, was es ist, kennt aber jeder – wir reden hier von einer Originalorchesteraufnahme!), die tolle Schauspielleistung Simon Yams und zeitlupengestütze Bilder ineinander, um den Film zu einem tragischen, konsequenten Schluss zu bringen. Wäre es Leung möglich gewesen, den ganzen Film auf dieses Niveau zu hieven, hätten wir wohl beinahe von einem Meisterwerk sprechen können.

So bleibt Scarred Memory überdurchschnittlich gutes, charmantes Mittneunziger-HK Kino wie man es liebt. Wer seine Erwartungen nicht zu hochschraubt, hat viel Spaß mit diesem, zwischen allen Genrestühlen sitzenden Film.

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